Tarot

Ein Weg der Selbsterkenntnis und Bilderbuch westlicher Weisheit

Niemand weiß genau, wann und wo die Tarotkarten entstanden sind. Waren es tatsächlich Weise aus alten Zeiten, die den Spieltrieb des gemeinen Volkes dazu benutzten, ihre Einsichten über die Bewusstseinswelten des Menschen und seiner Welt in Form von Bildern auf Karten durch die Zeiten hindurch weiterzureichen? War es tatsächlich geplant, dass Menschen, welche "Augen haben zu sehen", jene darin verborgene Weisheit unverfälscht wiedererkennen und lesen können sollen, egal an welchem Raum-Zeitpunkt ihnen diese Bilder begegnen? Oder formte sich die Zusammenstellung der Karten eher nach Art der Märchen und Mythen, welche aus Geschichten entstanden, die so lange von Mund zu Ohr weitervermittelt wurden, bis nur noch jene wesentlichen Elemente darin übrig blieben, welche praktisch den "gemeinsamen Nenner" aller Erzählvarianten bildeten?


Man kennt nur einige Daten ihres Auftauchens in Europa. Verschiedene westliche Weisheitstraditionen beziehen sich allerdings auf die Tarotbilder, vor allem auf die Trümpfe (oder großen Arkana) wie auf eine Schatzkammer, und auch dem aufmerksamen Betrachter ohne Vorwissen erschließen sie sich sich wie alte Bekannte aus einem Urwissen, das die ganze Menschheit zu teilen scheint.


Das ist die Bedeutung von Archetypen - C. G. Jung nennt sie "kollektiv-unbewusste Inhalte", "seit alters vorhandene allgemeine Bilder"(1).


Niemand weiß genau, wer damit begonnen hat, die Bilder des Tarot mit Astrologie und anderen Symbolsystemen zu verknüpfen. Es gibt dazu mehrere Ansichten und Varianten. Den einflussreichsten Impuls dazu, mehrere westliche Systeme unter einem Dach zu vereinen, lieferte aber sicherlich der "Order of the Golden Dawn", dessen Lehrsystem sich weit über sein Bestehen hinaus (an der Wende zum 20. Jahrhundert) praktisch in der ganzen westlichen okkulten Szene verbreitete. Die Schöpfer der bekanntesten Tarotdecks der Gegenwart, Arthur E. Waite (durch Pamela Coleman-Smith) und Aleister Crowley (durch Lady Frieda Harris) waren Mitglieder des Golden Dawn, und so zeigen sich in deren Karten neben den traditionellen Darstellungen auch die vielen Symbolsysteme, welche der Orden in seine Lehre integrierte. Als Beispiel sehen wir im Trumpf Nr. 10 bei Waite (siehe oben) Symbole aus der Alchemie um das Zentrum des Rades herum, hebräische Buchstaben u.a, in Anklang an die Kabbalah, ägyptische Gottheiten bis hin zu Symbolen des Christentums wie den 4 Evangelisten (geflügelte Tiere), welche sicherlich nicht zufällig gerade so an den Ecken der Karte angeordnet sind, dass sie sich genau an den gedachten Positionen der vier fixen Zeichen des Tierkreises befinden.


(Fortsetzung folgt ...)


(1) Jung, C.G., (2014): Archetypen, Deutscher Taschenbuch Verlag,, München